Praxis Dr. med. Petro-Alexander Rarei, Arzt für Innere Medizin

07.08.2002

Die unerwünschten Reisemitbringsel

Wie man Erkrankungen im Urlaub vorbeugen kann


Warum in die Ferne schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah....

An diesen wohlgemeinten Spruch von Goethe hält sich kaum noch jemand. Nachdem die einstmals so beliebte Ferieninsel Mallorca mittlerweile auf der Beliebtheitsskala der Deutschen unten angelangt ist, zieht es viele Mitbürger in die fernste Ferne, möglichst dorthin, wo es feucht-heiß ist. Tropische Gefilde, insbesondere Afrika südlich der Sahara, haben es aber in sich!

Häufigste Reisemitbringsel sind fieberhafte Infekte und Durchfall. Das bedeutet nicht unbedingt, dass es sich um eine tropenspezifische Erkrankung handeln muss.

Die meisten Reiseerkrankungen sind banale Infekte

Hinter 80 Prozent der Reiseerkrankungen stecken banale Infekte. Am häufigsten ist die sogenannte Reisediarrhoe, auch als Montezumas Rache, Delhi-Belly oder Kalkutta-Quickstep bezeichnet. Haupterreger ist der ansonsten harmlose Darmkeim Escherichia coli, der in diesem Fall 'entartet' ist und Giftstoffe bildet, die die Darmschleimhaut schädigen.Gefährlicher sind Shigellen, Salmonellen und Campylobacter, die direkt in die Darmwand eindringen und blutige Diarrhoen hervorrufen. Bei der Shigellose stehen krampfartige Bauchschmerzen und ständiger Stuhldrang im Vordergrund, woher sie ihren deutschen Namen Bakterienruhr hat. Cholera und parasitäre Erreger sind heute seltene Ursachen einer Reisediarrhoe.

Kommt es nach Rückkehr aus einem Malariagebiet immer wieder zu Fieberschüben, so sollte keine Zeit vertan und die schnelle Diagnostik mittels 'Dickem Tropfen' unterm Mikroskop angestrebt werden. Dabei sind die Malariaerreger (Plasmodien) in den roten Blutkörperchen zu erkennen. Diese Untersuchung kann im Prinzip in jeder hausärztlichen Praxis durchgeführt werden. Bei mangelnder Erfahrung ist ein Tropenmediziner zu konsultieren. Leider gibt es im hiesigen Raum nur am Klinikum Herford einen Facharzt für Tropenmedizin (Dr.Vollenberg). Wichtig ist es, bei unklaren Fieberschüben mit und ohne Durchfall immer auch an die Malaria zu denken! Sie ist nach der Hepatitis A weltweit die zweithäufigste Infektionskrankheit. Jährlich erkranken zwischen 300 bis 500 Millionen Menschen daran, von denen über eine Million sterben.

Zahl der Malariafälle steigt von Jahr zu Jahr

Die Zahl der importierten Malariafälle wächst durch den Fernreisetourismus ständig. 2001 wurden über 1.000 importierte Malariafälle gemeldet, die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen. Wichtigste Vorbeuge ist einerseits die Chemoprophylaxe, andererseits die Vermeidung eines Insektenstichs am Urlaubsort: Tragen hautbedeckender, heller Kleidung, Einreibung unbedeckter Hautstellen mit Repellentien (z.B.Autan), Aufenthalt in mückensicheren Räumen mit Klimaanlage, Fliegengittern, ggf. Moskitonetz.

Die Chemoprophylaxe ist bei allen Reisen in Malariagebiete mit hohem Übertragungspotential zu empfehlen, besonders in den stark betroffenen Gebieten Afrikas südlich der Sahara, im Amazonasbecken, Teilen Asiens(Indien, Grenzregionen Thailands).Hier wirkt das probate und weitgehend nebenwirkungsfreie Resochin nichtmehr,da der Erreger(Plasmodium falciparum) mittlerweile resistent gewordenist. Als Alternative gegen den gefürchteten Erreger der Malaria tropica wurde lange Zeit Lariam empfohlen, das aber wegen seiner zentralnervösen Nebenwirkungen, wie epileptische Anfälle, Psychosen, Desorientierung, nur bedingt tauglich ist.

Seit einiger Zeit steht eine weitgehend nebenwirkungsfreie Kombination aus Atovaquon/Proguanil(Malarone) zur Verfügung, die sich bewährt hat. FürReisende, die keinerlei Prophylaxe wünschen oder sie nicht vertragen, gibt es noch die sogenannte Standby-Therapie, also die notfallmäßige Selbstbehandlung bei malariaverdächtigen Symptomen und nicht erreichbarer ärztlicher Hilfe (Lariam, Malarone). Also, bei hartnäckigen Fieberschüben auf und nach Fernreisen, auch an die Malaria denken! Denn, jede Malaria ist heilbar, sofern sie rechtzeitig erkannt und behandelt wird! Ihr Medicus