Praxis Dr. med. Petro-Alexander Rarei, Arzt für Innere Medizin

25.09.2004

Diabetes Risikofaktor für Herzinfarkt

Frühzeitiger Check erforderlich


Es ist schon länger bekannt, dass Zuckerkrankheit die Gefäße schädigt. Im Falle der kleinen Blutgefäße, den Kapillaren, spricht man von einer Mikroangiopathie. Diese führt durch schadhafte Ablagerungen zu Durchblutungsstörungen in den Füßen, Netzhautgefäßen und Nierenkapillaren. Folgen sind kalte Füße, Sehstörungen, Eiweißausscheidungen im Urin mit Verschlechterung der Nierenfunktion. Dieser Vorgang entwickelt sich über Jahre bis Jahrzehnte und führt nicht selten zu Laserbehandlungen der Netzhaut und zur Dialyse (Blutwäsche).

Relativ neu ist die Erkenntnis, dass erhöhter Blutzucker auch die größeren Blutgefäße schädigt und zu Herzinfarkt und Schlaganfall führt. Der diesjährige europäische Kardiologenkongress in München hob den Zusammenhang zwischen Zuckerstoffwechselstörungen und kardio-vasculären Erkrankungen besonders hervor. Prof. Standel, ein Münchener Diabetologe, verdeutlichte das mit der „75-75-Regel“: 75 Prozent aller Diabetiker haben eine Herz-Kreislauf-Komplikation und 75 Prozent aller Herzinfarktpatienten sind Diabetiker oder haben eine meist unentdeckte Zuckerstoffwechselstörung. Als Konsequenz daraus wurde eine intensivierte Suche nach einem gestörten Glukosestoffwechsel bei allen KHK-Patienten gefordert.

Die bislang übliche Screening-Methode mit Bestimmung des Nüchtern-BZ im Plasma (Norm bis 110 mg/dl) ist aber nicht ausreichend. Besser geeignet ist der orale Glucose-Toleranztest. Der Patient trinkt morgens nüchtern eine standardisierte Zuckerlösung mit 75g Glukose. 60 und 120 Minuten danach wird die Plasmaglukose bestimmt. Liegt der 2-Stunden-Wert über 200 mg/dl, so liegt ein manifester Diabetes vor. Zwischen 140 und 200 mg% spricht man von einer gestörten Glukosetoleranz. Eine Disposition zur Zuckerkrankheit kann so frühzeitig erkannt und Gegenmaßnahmen, wie z.B. Diätberatung und Tabletteneinnahme, rechtzeitig ergriffen werden.

Der Kardiologenkongress unterstrich die besondere Rolle des Diabetes mellitus als Risikofaktor für KHK und Herzinfarkt. Ein älterer Diabetiker hat letztendlich das gleiche Risiko einen Herzinfarkt zu erleiden wie eine Person, die schon einen Herzinfarkt erlitten hat.

Außer der Aufdeckung und Behandlung der wohlbekannten Risikofaktoren Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen sollte in Zukunft mehr Aufmerksamkeit dem unerkannten Diabetiker gelten!

Ihr Medicus