Praxis Dr. med. Petro-Alexander Rarei, Arzt für Innere Medizin

22.08.2001

Der Wunsch nach ewiger Jugend

Hormone sind nicht ohne


Zu allen Zeiten lebten Menschen, die sehr alt geworden sind, z.B. der alttestamentarische Josua mit erstaunlichen 110 Jahren. Pharao Ramses II. und der griechische Dichter Sophokles brachten es immerhin auf satte 90 Jahre.

Noch nie jedoch war die mittlere Lebenserwartung der Bevölkerung dank hohem Lebensstandard und medizinischem Fortschritt in den entwickelten Ländern so hoch wie heute. Die hiesigen Frauen können bei solidem Lebenswandel mit einer Lebensspanne von fast 80, die Männer mit etwa 74 Jahren rechnen. Zum Vergleich: die Lebenserwartung um 1900 betrug in Deutschland etwas über 40 Jahre und lag bei Christi Geburt bei mageren 25 Jahren.

Wir könnten uns alle darüber freuen, solch rosige Aussichten zu haben, wenn da nicht die verflixten Alterungsprozesse wären, die Vitalität und Mobilität einschränken. Lifestyle- und Anti-Aging-Magazine wissen hier schnell Rat: Nur Hormone können da helfen, insbesondere Sexualhormone; für die Frau im Klimakterium Oestrogene, für den Mann in seinen „Wechseljahren“ - auch die gibt's!- Testosteron.

Das psychische Wohlbefinden nimmt zu, Hitzewallungen nehmen ab, der Verlust an Knochenmasse wird gestoppt und der Aufbau der Muskelmasse (Testosteron) gesteigert. Oestrogene sollen außerdem wirksam sein gegen Arteriosklerose und Morbus Alzheimer (Altersdemenz).

Doch Vorsicht! Für Oestrogene besteht ein erhöhtes Risiko für Thrombose und Brustdrüsenkrebs, auch Leberschäden können auftreten. Testosteron kann einen versteckten Krebs der Vorsteherdrüse zum Ausbruch bringen. Das in der Nebennierenrinde produzierte Hormon DHEAS (Dihydroepiandosteron) kann bei Frauen zu einer Verbesserung des Befindens und Steigerung der sexuellen Aktivität führen, beim Mann ist es allerdings wirkungslos.

Der „Dauerbrenner“ Melatonin, gewissermaßen ein körpereigenes Schlafmittel, das in der Zirbeldrüse im Hirn gebildet wird und unseren Schlaf-Wach-Rhythmus reguliert, hilft nicht nur beim „Jet-Lag“, sondern steigert, zumindest im Tierversuch, Lebensspanne und Abwehrkräfte.

Ganz mutige schlucken schon Wachstumshormone (STH), die Muskelaufbau und Fettabbau unter Steigerung der Lebensqualität fördern, nicht wissend, dass auch tumoröses Wachstum und Zuckerkrankheit ausgelöst werden können.

Eine Hormonsubstitution sollte daher nur bei einem relativen oder absoluten Hormonmangel (Labor!) erfolgen.

Was kann man/frau denn sonst gegen vorzeitiges Altern unternehmen außer gesunder Lebensführung und Ernährung. Ein regelmäßiges Ausdauertraining über 30-45 Min., z.B. Jogging oder Fahrrad fahren und Schwimmen bringen nicht nur Kondition, physisches und psychisches Wohlbefinden, sondern auch einen Anstieg der Hormone und das zu einem erschwinglichen Preis!

Jeder Langstreckler kennt das Gefühl, wenn die Endorphine, auch Glückshormone genannt, ihn in einen Laufrausch hineinsteigern. Doch schon Christoph Wilhelm Hufeland, Leibarzt des Preussenkönigs, schrieb in seinem Buch von 1797 (!), „Die Kunst, das menschliche Leben zu Verlängern“: zahllose Empiriker und Quacksalber erhalten den Menschen in dem Glauben, dass es kein besseres Mittel gibt, alt zu werden, als ihn zur rechten Zeit zur Ader zu lassen, zu schröpfen (wohl auch im geldlichenSinne!) und zu purgieren (abzuführen). . .

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Ihr Medicus