Praxis Dr. med. Petro-Alexander Rarei, Arzt für Innere Medizin

"NW"-Kolumne "Ihr Medicus"


27.10.2004

Der November ist „Herzmonat“

Herzklappenfehler Hauptthema der Herzstiftung


Die Deutsche Herzstiftung veranstaltet im November traditionell ihren „Herzmonat“ mit einer Reihe von Veranstaltungen, wie die NW am 9./10. Oktober bereits berichtete. Schwerpunktthema sind Herzklappenfehler. Rund 200.000 Menschen leben in Deutschland mit einer neuen Klappe, mehr als 16.000 wurden 2003 operiert.

Wir unterscheiden angeborene von erworbenen Herzklappenfehlern. Letztere beruhen heute überwiegend auf altersbedingter Abnutzung. Typische Beispiele sind die verengteKlappe der Brustschlagader(Aortenstenose) und die Undichtigkeit der Mitralklappe(Mitralinsuffizienz).

Die vor 30 Jahren noch dominierenden Klappenfehler durch rheumatisches Fieber und bakterielle Endokarditis sind selten geworden. An ihre Stelle sind sekundäre Klappenfehler nach Herzerweiterung infolge Herzinfarkt und Bluthochdruck getreten. Die Klappe hält nicht mehr richtig dicht. Häufigster Fehler ist die verkalkte Aortenstenose gefolgt von der Mitralinsuffizienz, die oft auf einen Mitralklappenvorfall in den linken Vorhof während der Kammerkontraktion zurückzuführen ist. Typisch ist ein lautes Geräusch(Systolikum) über der Herzspitze, dass bis in die Achselhöhle ausstrahlt.

Mittels Farbdoppler-Echokardiographie läßt sich der Rückfluss in den linken Vorhof nicht nur recht anschaulich als blau-gelbes Mosaikmuster darstellen, sondern das Ausmaß der Insuffizienz auch messen. Typische Beschwerden für die häufige Aortenstenose sind Luftnot, Herzenge, aber auch Schwindel bis hin zu ohnmachtsähnlichen Zuständen(Synkopen). Bei der Mitralstenose treten Herzrhythmusstörungen hinzu, meistens in Form eines Vorhofflimmerns. Wichtig ist die möglichst frühzeitige Diagnose, denn ist der Herzmuskel erst einmal vorgeschädigt(Herzerweiterung), so ist das Operationsrisiko hoch und die Lebenserwartung herabgesetzt.

Zur Implantation werden biologische und künstliche Klappen verwendet. Bei Bio-Klappen, zumeist vom Schwein, entfällt die bei Kunstklappen obligatorische lebenslange Gerinnungshemmung(Antikoagulation) mit Marcumar. Dafür verschleißen sie schneller und werden daher nur bei Senioren über 65 Jahre eingesetzt.

Alle Patienten mit Klappenfehlern bedürfen einer Endokarditisprophylaxe bei bakteriellen Infekten und vor operativen Eingriffen(Zahnextraktion!), um eine Entzündung der Herzklappe zu vermeiden.In den letzten Jahren werden immer häufiger Klappen-Rekonstruktionen durchgeführt, insbesondere bei der oben beschriebenen Mitralinsuffizienz. Dabei wird das durchschlagende Segel entfernt und der Mitralring gerafft. Dieses geschieht heute oft durch einen kleinen Schnitt ohne komplette Eröffnung des Brustkorbs, also minimal invasiv und damit patientenschonend. Dieser Artikel ist nur ein kurzer Abriss eines ebenso interessanten wie komplexen Themas. Sind Sie neugierig geworden? Dann vertiefen Sie doch ihr Wissen durch den Besuch einer der zahlreichen Veranstaltungen im „Herzmonat“ November.

Ihr Medicus