Praxis Dr. med. Petro-Alexander Rarei, Arzt für Innere Medizin

25.01.2008

Darmkrebsfrüherkennung zu wenig genutzt

29.000 Todesfälle pro Jahr / Screening-Verfahren im Vorfeld sinnvoll


Die Zahl der jährlichen Neuerkrankungen an Kolorektalem Karzinom(KRK), auch Darmkrebs genannt, wird vom Robert-Koch Institut auf 66.000 geschätzt. Immerhin sterben jährlich 29.000 Menschen an diesem Tumorleiden. Damit ist das KRK die zweithäufigste Todesursache bei beiden Geschlechtern in unserem Land.

Dabei gehört dieses Karzinom zu den Tumoren, die mit entsprechenden Screening-Maßnahmen bereits frühzeitig erkennbar und dadurch heilbar sind. Eine vollständige Darmspiegelung ist nach wie vor als „Goldstandard“ anzusehen. Trotz kostenlosem Vorsorgeangebot der gesetzlichen Krankenkassen ab dem 55. Lebensjahr ist die Akzeptanz in der Bevölkerung mit nur zwei bis fünf Prozent der Anspruchberechtigten verschwindend gering. Daher wäre es sinnvoll, die Anspruchsberechtigten erst einmal mit einem nichtinvasiven, einfach durchzuführenden Screening-Verfahren gezielt zur Darmspiegelung hinzuführen.

Dafür stehen mittlerweile drei Teste zur Verfügung. Am bekanntesten ist der fäkale Okkultbluttest. Auf Grund der einfachen Durchführung bei geringen Kosten hat er in der alltäglichen Praxis große Bedeutung erlangt. Die Methode beruht auf dem Nachweis der Pseudoperoxidase des Blutfarbstoffs(Hb), die aus dem als Testreagenz verwendeten Wasserstoffsuperoxid Sauerstoff abspaltet. Das auf den Testbriefchen als Indikator verwendete Guajak-Harz oxidiert im Falle von Blutbestandteilen, und es kommt zur Blauverfärbung der Testfelder. Die Sensitivität (richtig positiv) dieses Testes für ein KRK liegt jedoch nur bei etwa 40 Prozent, da auch tierisches Hb in Wurst- und Fleischwaren, aber auch Blutungsquellen wie Hämorrhoiden, Divertikel oder Menstruation „falsch“ positiv reagieren.

Eine deutlich höhere Sensitivität auf verstecktes Blut im Stuhl hat ein immunologischer Test, bei dem über eine spezifische Antikörperreaktion ausschließlich humanes Hb erkannt wird. Der Nachteil dieser Methode liegt aber darin, dass ausschließlich Blut nachgewiesen wird, viele Polypen und auch Karzinome aber nicht oder nur zeitweilig bluten, und es auch andere Gründe für Blut im Stuhl gibt .

Eine wirkliche Innovation ist der seit kurzem auf dem Markt befindliche M2-PK Stuhltest. Er basiert auf dem Nachweis des Enzyms Pyruvatkinase M2, das bei KRK und entarteten Polypen vermehrt gebildet wird und mit einem immunchromatographischen Test nachweisbar ist. Dieser Stuhltest besitzt mit etwa 85 Prozent eine weitaus höhere Sensitivität und Spezifität (richtig negativ) als die bislang eingesetzten traditionellen Teste auf Blut im Stuhl. Leider werden die beiden letzten vorgestellten Teste nicht von den Krankenkassen erstattet.

Sie sollten jedoch von allen über 50-Jährigen sowie Personen mit familiärer Darmkrebsanamnese dringend wahrgenommen werden, sofern man sich nicht gleich für den „Goldstandard“, die komplette Darmspiegelung, entscheidet. Diese hat den entscheidenden Vorteil, dass Polypen, die als Krebsvorstufen gelten, nicht nur aufgespürt, sondern auch gleich abgetragen werden, und der Patient erst einmal kuriert ist.

Ihr Medicus