Praxis Dr. med. Petro-Alexander Rarei, Arzt für Innere Medizin

22.03.2007

Chronischer Husten nach Infekten

Auch an Keuchhusten denken


Nach schweren Erkältungen bleibt oft trotz Antibiotikatherapie so ein blöder Husten zurück, der sich im schlimmsten Fall über Wochen hinziehen kann. Die Röntgenaufnahme der Lungen schließt eine Lungenentzündung aus ebenso wie ein Bronchialkarzinom. Die Lungenfunktion ergibt Hinweise auf eine Enge in den Bronchien, auch als chronisch-obstruktive Bronchitis bezeichnet.

Eine Prise Kortison plus bronchialerweiternde Mittel als Dosieraerosol verabreicht kann helfen, den ebenso lästigen wie chronischen Hustenreiz zu beseitigen und die Bronchien zu erweitern. Bleibt die „Hyperreagibilität“ des Bronchialbaums bestehen, sind andere Ursachen zu erwägen . In erster Linie ist an chronische Herde wie Kieferhöhlenvereiterung und Nasenpolypen mit Belüftungsstörungen zu denken.

Auch eine Frühform des Asthma bronchiale ist zu bedenken, die häufig mit Husten beginnt. Auslöser sind neben Allergien verschiedener Art (z.B. auf Pollen oder Hausstaubmilben) auch und gerade längerdauernde Infekte. Saurer Reflux vom Magen in die Speiseröhre kann ebenfalls quälenden Hustenreiz auslösen.

Die probatorische Gabe von starken Säurehemmern bringt sogleich Linderung und liefert den Beweis. Im Zweifelsfall sollte eine 24-Stunden-Langzeit-pH-Metrie Klarheit schaffen über Säure in der Speiseröhre, wo sie nicht hingehört. Geläufig ist der sogenannte Raucherhusten. Vorm Anstecken der ersten Morgenzigarette entledigt sich der starke Raucher mittels kräftiger Hustenstöße eines zähen-glasigen Schleims, der sich nächtens in seinen entzündeten Bronchien angesammelt hat, da die für die Selbstreinigung vorgesehenen Flimmerhärchen vom Zigarettenteer schon längst verklebt sind.

Es gibt sogar einen medikamentös ausgelösten Husten durch gewisse Blutdruckmittel, die sogenannten ACE-Hemmer, wie z.B. Captopril, Enalalapril oder Ramipril. Typisch hierfür ist ein attackenweiser, trockener Husten, der oft von einem „Kitzeln“ im Hals ausgelöst wird. Er kann auch noch Jahre nach der Einstellung auf das Medikament auftreten und wird daher oft nicht erkannt.

Den meisten Leidensdruck verursacht der staccatohafte Keuchhusten, der bis zur Erschöpfung führen kann. Früher als reine Kinderkrankheit angesehen, befällt er heute zunehmend Erwachsene. In einer Studie mit 1.000 Patienten, die mehr als sieben Tage husteten, war jeder Zehnte mit Bordetella pertussis, den Erreger des Keuchhustens, infiziert. Jeder Dritte war über 45 Jahre alt! Ursache für die Verschiebung ins Erwachsenenalter könnte sein, dass die meisten Kinder durchgeimpft sind und einstweilen nicht erkranken. Der Impfschutz ist aber fünf bis zehn Jahre nach Impfung nur noch abgeschwächt vorhanden, so dass sich Erwachsene wieder infizieren können. Die ständige Impfkommision(Stiko) empfiehlt daher nach der Grundimmunisierung im Säuglingsalter eine Auffrischung im Alter von fünf bis sechs Jahren und im Jugendalter. Auch Frauen mit Kinderwunsch, Betreuer von Säuglingen und Personen, die mit Infizierten im gleichen Haushalt leben, sollten geimpft werden. Pertussis wird häufig erst (zu) spät erkannt, weil keiner daran denkt und es sich ja um eine Kinderkrankheit handelt.

Dieser Artikel dient dazu, Sie ein wenig zu „sensibilisieren“. Bellt in Ihrer näheren Umgebung jemand länger als sieben Tage wie ein „Schlosshund“, dann ruhig auch mal an Keuchhusten denken, nicht zuletzt bei Erwachsenen. Die rechtzeitige Verschreibung des richtigen Antibioticums kann dem auslösenden Keim schnell den Garaus machen.Ihr Medicus