Praxis Dr. med. Petro-Alexander Rarei, Arzt für Innere Medizin

25.07.2001

Cholesterin in aller Munde

Ab wann wird es gefährlich?


Cholesterin ist in aller Munde, nicht nur was den täglichen Verzehr von Butter, Eiern, Fleisch und Wurst anbetrifft, sondern auch beim Partygespräch unter Freunden und Bekannten. Kennst Du Deinen Cholesterinwert, lautet die häufige Frage? Oh Gott, der letzte Wert lag bei 250 mg/dl und der Hausarzt habe schon bedenklich mit dem Kopf gewackelt, zu einer fettarmen Diät geraten und eine Kontrolle der Fettwerte nach drei Monaten empfohlen...

So oder ähnlich läuft die Diskussion über den Hauptrisikofaktor für die Arteriosklerose der Herzkranzgefäße. Der Schwellenwert für eine diätetische Behandlung ohne kardiale Risikofaktoren (Bluthochdruck, Zigarettenrauchen, Zuckerkrankheit) lag bislang bei 240 mg/dl Gesamtcholesterin und bei 160 mg/dl LDL, dem sogenannten schlechten Cholesterin, das die Lipide (Fette), gebunden an Transportproteine niedriger Dichte, in die Gefäßwand an- und einlagert. Sind zwei oder mehr Risikofaktoren vorhanden, besteht eine familiäre Belastung oder ist schon ein Herzinfarkt aufgetreten, so ist ein Gesamtcholesterin <200 mg/dl und ein LDL-Wert unter 100mg/dl  anzustreben . Die erbliche Belastung  spielt nach heutiger Erkenntnis eine erhebliche Rolle. So ist auch der Gegenspieler zum LDL, das HDL („gutes“ Cholesterin), genetisch determiniert und sollte bei Männern >45 mg/dl und bei Frauen >55 mg/dl liegen. Fettarme Diät, körperliches Ausdauertraining und mäßiger(!) Weingenuss steigern das „gute“ Cholesterin (HDL), das die Lipide aus der Gefäßwand wieder abbaut.

Nach den heutigen Erkenntnissen(Lipidliga) gibt es keinen typischen Schwellenwert für das Gesamt-Cholesterin als eigenen Risikofaktor mehr, wichtiger ist die quantitative Zusammensetzung der einzelnen Lipoproteinfraktionen im Blut, also der Quotient.

Ein optimaler Quotient aus LDL/HDL liegt <3. Sind die diätischen Maßnahmen ausgeschöpft, so kommen die oben erwähnten CSE-Hemmer zum Einsatz, z.B. Simvastatin,  die das LDL allesamt deutlich senken und das HDL — weniger deutlich — anheben. Bei der in unseren Breiten (Wohlstandsgesellschaft) am häufigsten vorkommenden Fettstoffwechselstörung, der familiären kombinierten Hyperlipidämie, sind das Cholesterin mäßig und die Triglyceride, auch Neutralfette genannt, deutlich erhöht. Träger dieser Stoffwechselstörung sind zumeist stark übergewichtige Leute, vor allem Typ-II-Diabetiker.

Für diese Personen ist eine drastische Gewichtsabnahme mit einer Fettreduktion auf <30 Prozent der täglichen Kalorienzufuhr, davon höchstens zehn Prozent gesättigte Fettsäuren, und weniger als 300 mg Cholesterin (kein Ei!), vor einer medikamentösen Therapie erforderlich. Eine medikamentöse Therapie läßt sich dennoch oftmals nicht umgehen, das gilt insbesondere für die Diabetiker. Ihr Risiko für Herzinfarkt ist nämlich bei erhöhtem Cholesterin so hoch wie bei einer Person, die schon einen Herzinfarkt erlitten hat.

Nach diesem kleinen Ausflug in die Welt der Fette wette ich, dass Sie auf der nächsten Party nicht nur mit Ihrem Gesamtcholesterin kokettieren können, sondern auch schon etwas vom guten und schlechten Cholesterin und – vielleicht sogar- vom „Quotienten“ berichten können. Andernfalls fragen Sie doch Ihren Hausarzt oder Apotheker.

Ihr Medicus