Praxis Dr. med. Petro-Alexander Rarei, Arzt für Innere Medizin

08.01.2005

Blutdruck selbst messen – aber richtig

Fünf Regeln sollten beachtet werden


Viele Patienten messen ihren Blutdruck selber. Das ist auch gut so, denn die Selbstmessung mit den elektronischen Handgelenkgeräten kann ebenso genau und häufiger durchgeführt werden als in der Praxis oder beim Apotheker. Außerdem wird ein sogenannter „Weißkittel-Hochdruck“ vermieden, bei dem es sich um einen nicht behandlungsbedürftigen, emotional bedingten Situations-Bluthochdruck handelt.

Wie misst man aber richtig? Eine kürzlich veröffentliche Statistik zeigte erschreckende Ergebnisse: nur drei von insgesamt 500 befragten Hypertonikern (373 Männer, 127 Frauen) wussten, wie man richtig misst. Dabei sollten die fünf Regeln zur korrekten Selbstmessung – herausgegeben von der Deutschen Hochdruckliga – eigentlich allen Patienten geläufig sein:

´ Blutdruckmanschette in Herzhöhe;

´ erst nach einer Ruhephase von drei bis vier Minuten messen;

´ zum Check den Arm mit dem höheren Blutdruck messen;

´ Manschettenbreite bei großem Handgelenksumfang entsprechend verändern ;

´ morgendliche Messung vor der Einnahme blutdrucksenkender Medikamente.

Laut Statistik kannten 19 Prozent der Befragten keine der Regeln. Etwa die Hälfte der Interviewten zeigten sich informiert über die Ruhepause vor der Messung, ein knappes Drittel über den Messpunkt in Herzhöhe und nur vier Prozent über die Bedeutung der Manschettenbreite.

Die Untersuchungsergebnisse belegen, dass Ärzte sich bislang noch zu wenig um die Schulung der Hochdruck-Patienten gekümmert haben. Nur jeder vierte Patient war laut Studienergebnissen von seinem Arzt eingewiesen worden und nur jeder 10. Patient hatte vom Apotheker mündliche Bedienungshinweise erhalten. Es gibt also noch reichlichen Aufklärungsbedarf. Denn eine Falschmessung ist nicht nur schlechter, sondern unter Umständen auch gefährlicher als gar keine. Viele unklare Ohnmachten (Synkopen) bei Hochbetagten gehen oft auf eine falsch hohe Messung zurück, die man als Arzt beispielsweise leicht an völlig unrealistischen Werten erkennen kann.

„Herr Doktor, mein Blutdruck ist 170/140mmHg, was kann ich denn einnehmen?' Der in Relation zum oberen Wert stark überhöhte untere (diastolische) Wert, weist auf eine Fehlmessung hin. Vielleicht wurde der Arm zu tief gehalten, die Manschette sitzt nicht richtig oder ist zu schmal. Auch Herzrhythmusstörungen gehen mit stark schwankenden Blutdruckwerten einher. Die Person sollte dem behandelnden Arzt in der Sprechstunde, gewissermaßen „live“, ihre Messkünste demonstrieren und der Arzt sie gegebenenfalls korregieren.

Im Zweifelsfall gibt die 24-Stunden-Blutdruckmessung Auskunft, ob eine behandlungsbedürftige Hypertonie vorliegt. Bei den sinnvollen Selbstmessungen sind die Blutdruckwerte zu protokollieren und bei den Arztbesuchen vorzuzeigen, was leider oft vergessen wird.

Der Bluthochdruck ist Hauptrisikofaktor für den Schlaganfall, der gleich nach dem Herzinfarkt die meisten Todesfälle fordert. Zur Senkung der hohen Sterblichkeitsrate gehört neben diätetischen und medikamentösen Maßnahmen auch eine korrekte Blutdruckmessung.

Haben Sie weitere Fragen, so lassen Sie sich die Broschüre „Antworten auf 10 Fragen zu Bluthochdruck“ der Deutschen Hochdruckliga für 1,80 Euro zuschicken, Bestellung ` 06221/411774.

Ihr Medicus