Praxis Dr. med. Petro-Alexander Rarei, Arzt für Innere Medizin

18.02.2004

Blitz- und Crash-Diäten nicht zu empfehlen

Wie bekomme ich meine Pfunde runter?


Nach dem katholischen Kalender ist spätestens ab Aschermittwoch Fasten angesagt, wenn man von München einmal absieht, wo der Fasching quasi nahtlos in die Starkbierzeit übergeht.

Die Mönche früherer Zeiten wußten sich schon zu helfen. Mußten sie schon hungern, so durften sie doch, ohne die Glaubensregeln zu verletzen, kompensatorisch und hochkalorisch trinken, was die Leibesfülle zwangsläufig erheblich steigerte.

Eigentlich ist das Übergewicht eine tolle Erfindung der Natur. In früheren Notzeiten bewahrten „Rettungsring“ (Bauchfett) und „Reitertaschen“ (Schenkelfett) das Individuum und seine Nachkommenschaft vor dem Verhungern. Dieses sinnvolle Prinzip funktioniert in unserem Schlaraffenland nicht mehr, weil echte Notzeiten ausbleiben.

Wer abnehmen will, muss längerfristig Hungergefühl ertragen können

Wer ernsthaft abnehmen möchte, muß daher nicht nur weniger Kilokalorien zu sich nehmen, damit seine Fettdepots kleiner werden, sondern er muß auch das Hungergefühl längerfristig ertragen. Gibt er zu schnell auf, so sind die Fettzellen entsprechend dem Jo-Jo-Effekt blitzschnell wieder aufgeladen. Blitz- oder Crash-Diäten sind daher von Übel. Nur wer seinem Körper die Möglichkeit gibt, sich langfristig auf den Nahrungsmangel einzustellen, kann dessen Verteidigungsmechanismen halbwegs austricksen. Ein halbes Kilo pro Woche reicht vollkommen und führt langfristig zum Erfolg.

Ganz abzuraten ist von neueren Wunderdiäten wie der Blutgruppendiät des Amerikaners D'Adamo, der eine blutgruppenabhängige Verklumpung gewisser Eiweißstoffe (Lectine) aus Lebensmitteln propagierte, die nie bewiesen wurde. Unter der Vielzahl der immer wieder gepriesenen und oft auch hochpreisigen Diäten(wie Trennkost, Atkins, Makrobiotik, Markert) hat sich letztlich nur eine kleine Schar bewährt, die allesamt das Prinzip einer streng fettreduzierten und kohlenhydratmodifizierten Ernährung verfolgen, wie die Brigitte-Diät mit ihrer energiereduzierten Mischkost zwischen 1.000 und 1.500 kcal/Tag. Hinzu kommt eine vermehrte Energieverbrennung durch regelmäßiges Ausdauertraining.

Appetitzügler alter Art haben mehr Nebenwirkungen als Wirkungen

Hilft das alles nicht, so gibt es noch den Griff zur Abmagerungspille. Aber Vorsicht! Die Appetitzügler alter Herkunft (beispielsweiseVigil) haben als zentral wirksame Stimulanzien mehr Nebenwirkungen(wie Herzrhythmusstörungen) als Wirkungen. Besser sieht es aus bei Reductil, das als ursprüngliches Antidepressivum das Hungergefühl mindert. Auch Xenical kann als Hemmstoff fettspaltender Enzyme in der Darmwand zur Gewichtsabnahme beitragen. Als Nebenwirkung treten infolge der gewünschten 30 Prozent Hemmung der Fettresorption häufiger Fettstühle auf. Die „Pillen“ sollten daher immer am Schluß aller therapeutischer Bemühungen stehen, am Anfang steht immer die Diät!

Für kompetente diätetische Beratung Stoffwechselgestörter besteht seit kurzem im Raum Espelkamp ein ärztliches Netz, dem zwei examinierte Ökotrophologinnen angehören. Haben Sie ein Gewichtproblem oder sind Sie schon zuckerkrank, wenden Sie sich an den Hausarzt. Er wird Sie fachmännisch betreuen und gegebenenfalls zur Diätberatung weiterleiten.Ihr Medicus