Praxis Dr. med. Petro-Alexander Rarei, Arzt für Innere Medizin

15.04.2004

Befund, Befinden, Befindlichkeiten. . .

Der Hausarzt als Lotse


Mehr als 3 Monate sind seit dem Inkrafttreten der Gesundheitsreform vergangen und die meisten sind um 10 Euro ärmer, aber keineswegs klüger oder gar zufriedener geworden. Nicht nur 10 Euro€ sind quartalsweise zu berappen, es bedarf auch gehöriger Anstrengungen zu Quartalsbeginn die jeweiligen Überweisungsscheine zu den jeweiligen Fachärzten beisammen zu haben, andernfalls droht eine erneute Maut durch die Krankenkasse, für die der Arzt nur kassiert.

Zahl der Arztbesuche hat seit Jahresbeginn deutlich abgenommen

Die Häufigkeit der Arztbesuche hat deutlich abgenommen, so zwischen 15 bis 22 Prozent. Bei Fachärzten sollen es schon einmal 40 Prozent sein. Einkommensverluste und Personalabbau in den Arztpraxen sind vorprogrammiert.

Ist denn die vormalig hohe Zahl der Arztkonsultationen wirklich nur ein deutsches Phänomen, gewissermaßen „systemimmanent“? Zweifelsohne ist da mehr als nur ein Körnchen Wahrheit dran!

Unsere westlichen Nachbarländer haben längst die Reißleine gezogen und ihren Versicherten einen erheblichen Selbstkostenanteil zugemutet. Die Zahl der Arztbesuche war und ist dort geringer, nicht zuletzt aufgrund der herausragenden Position des Hausarztes als Lotse und Berater. Er sollte auch bei uns die erste Anlaufstation des Patienten sein, um überflüssige, belastende und vor allem kostenintensive Untersuchungen zu vermeiden.

Bei grippalem Infekt bedarf es keiner Röntgenaufnahme und Überweisung zum Facharzt

Ein Beispiel dafür ist der banale grippale Infekt, den jeder von uns mehrfach durchlitten hat. Typische Symptome sind Husten, Schnupfen, Heiserkeit und leicht erhöhte Temperaturen. Hausmittel wie Acetylsalizylsäure(Aspirin), Emser-Salz Lutschpastillen und diverse schleimlösende Mittel sind zur Kurierung völlig ausreichend. Es bedarf weder einer Röntgenaufnahme noch einer Überweisung zum Facharzt.

Ein weiterer „Dauerbrenner“ in der hausärztlichen Praxis sind Rückenschmerzen. Da wird so mancher Patient vorschnell in die „Röhre“ geschoben, der nur an einem banalen muskulären Hartspann („Hexenschuss“) leidet, der gut mit hausärztlichen Mitteln wie Wärmebehandlung, Schmerzmitteln, gegebenenfalls auch Gymnastik und Schwimmen in Eigenregie, zu behandeln ist. Nach Ausschöpfung dieser Maßnahmen dürfen allen Befürchtungen und der Budgetierung zum Trotz durchaus noch Fangopackungen und Massagen verordnet werden.

Wenden Sie sich daher in erster Linie an ihren Hausarzt. Er ist ihr ehrlicher Lotse in einem zunehmend undurchdringlichen Gestrüpp gesundheitspolitischer Verfahrensweisen.

Gehen Sie auf eigene Faust gleich zum Spezialisten, so kann Ihnen passieren, was Eugen Roth so schön in Versform brachte: „Recht ratsam ist die mitleidlose und äußerst düstere Diagnose, die nie des Doktors Ruf verfehlt. Gesetzt den Fall, der Kranke stirbt, am Schrecken gar, ihm eingejagt, so heißt's, der Doktor hat's ja gleich gesagt! Und wenn er ihn gar retten kann, so steht er da als Wundermann....“ Ihr Medicus