Praxis Dr. med. Petro-Alexander Rarei, Arzt für Innere Medizin

07.11.2005

Auftakt der Herzwoche: Zeit ist Leben

Medicus klärt über Frühwarnzeichen auf


Trotz der jahrelangen Aufklärungskampagnen gelangen Patienten mit Herzinfarkt immer noch zu spät in die Klinik. Die Zeit vom Beginn der Beschwerden bis zum Eintreffen in die Klinik stieg seit 1995 von 166 auf 190 Minuten sogar an. Die typischen Infarktzeichen sind laut EMNID-Umfrage zwar 78% der Erwachsenen bekannt. Dennoch wird gezögert, den Notarzt zu rufen. Die Gründe dafür sind menschlich, allzu menschlich, wenngleich fatal, bisweilen sogar letal: „Der Schmerz vergeht schon wieder“, „Ich möchte den Doktor nicht stören“ oder „Vielleicht sind’s s nur Verspannungen der Brust- und Rückenmuskulatur!“

Dabei sind die Frühwarnzeichen schon Monate zuvor erkennbar: Engegefühl in der Brust und/oder Luftnot bei Belastung und Verstärkung bei Kältereiz. Oft tritt eine vitale Erschöpfung hinzu. Vormals leistungsorientierte, aktive Personen erleiden einen Leistungsknick im Alltags- und Berufsleben. Die seitWochen auffälligen Symptome werden negiert oder verdrängt, um nicht als „Krüppel“ dazustehen, was als Kränkung empfunden wird. Die kommende Katastrophe wird stattdessen sehenden Auges in Kauf genommen, wo Ehrlichkeit und Offenheit angebracht wären.

Weitere Schwerpunkte der Herzwoche sind: Wie geht es weiter nach dem Herzinfarkt? Wie sehr und wie viel darf ich mich belasten? Um Vertrauen in den eigenen Körper zurückzugewinnen, sind koronare Sportgruppen das geeignete Mittel. Immerhin werden 90 Übungsstunden von der Krankenkasse bezahlt. Dabei ist auch immer ein Arzt anwesend und ein Defibrillator (Kammerflimmern!) zur Hand. In den Referaten wird ausführlich Stellung genommen zur gesunden Ernährung, Stichwort Mittelmeerkost, mit hohem Anteil an pflanzlicher Nahrung, Oliven-/Distelöl statt tierischer Fette, Fisch und Geflügel statt Schweinshaxe.

Weiteres Dauerthema ist das Vorhofflimmern, das bei Älteren (›60 Jahre) mit einem achtfach höheren Schlaganfallrisiko einhergeht. Ziel sollte immer die Wiederherstellung eines Sinusrhythmus sein, entweder medikamentös oder durch Elektroschock (Krankenhaus). Ist das nicht möglich, so heißt es Blutverdünnung, entweder mit 300mg Acetylsalizylsäure(Aspirin) oder Marcumar.

„Vielleicht sind’s ja nur Verspannungen“

Auch Herzklappenfehler kommen zur Sprache, allen voran die Aortenstenose, der häufigste Klappenfehler. Für den Klappenersatz kommen biologische Prothesen vom Schwein oder Mensch in Frage. Nachteil ist die begrenzte Haltbarkeit von 10 bis 15 Jahren, daher nur für Ältere geeignet. Die mehrheitlich eingesetzten mechanischen Klappenprothesen sind faktisch unbegrenzt haltbar. Nachteil ist die Gefahr der Gerinnselbildung an der Klappe, die zum Schlaganfall führen kann. Eine lebenslange Blutverdünnung mit Marcumar ist daher notwendig.

Ein weiterer, ebenso eleganter wie komplizierter Klappenersatz ist die Ross-Operation. Hierbei wird die Brustschlagaderklappe durch die Lungenschlagaderklappe ersetzt. Diese Operation kommt nur für Personen bis 55 Jahre in Betracht. Marcumarisierung ist nicht erforderlich.

Auch allgemeinmedizinische Maßnahmen werden angesprochen, wie die Notwendigkeit einer regelmäßigen Grippeimpfung für Herzkranke. Diese soll nicht nur die Krankenhausaufenthalte wegen Lungenentzündung und Grippe um 30%, sondern die Sterberate sogar um 48% vermindern.

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Ihr Medicus