Praxis Dr. med. Petro-Alexander Rarei, Arzt für Innere Medizin

23.07.2002

Auch für den Mann gibts „Wechseljahre“

Über die Beschwerden und mögliche Abhilfe


Der Gynäkologe ist der Arzt für die Frau! Wer aber ist der Arzt für den Mann? Der Urologe, der Hausarzt? Keiner weiß es so ganz genau. Zweifelsohne ist der Hausarzt immer die erste Anlaufstelle für „Männerleiden“.

Auch die gibt es, obwohl vom sogenannten starken Geschlecht in einer Mischung aus Masochismus und „Macho“-ismus vielfach verdrängt. Ende 40, spätestens ab 50, kommt es häufig zu einem Leistungsknick, oftmals auch als Midlife-Crisis bezeichnet. Vormals noch jung, elastisch und dynamisch wird „Mann“ ganz plötzlich von Schweißausbrüchen, ständiger Müdigkeit und schneller Erschöpfung geplagt.

„Mann“ ist häufig mißgestimmt, übel gelaunt, schnell beleidigt, reizbar und im Bett klappt es auch nicht mehr so richtig.

Diese „Wechseljahre“ des Mannes sind nicht so spektakulär wie die der Frau, bei der die nachlassende Oestrogenproduktion in den Ovarien sich mit Störungen der Regelblutung ankündigt. Auch sind bei vielen Männern die Blutspiegel des männlichen Sexualhormons Testosteron bis ins hohe Alter erstaunlich normal!

„Mann“ leidet aber häufig außerordentlich an den aufgeführten Beschwerden und wünscht sich Abhilfe. Er ist halt kein ‚Anton aus Tirol‘, von dem im gleichnamigen Alpenhit gesungen wird: ‚Ob blaue Pille (oder) Sellerie, ja das braucht der Anton nie!‘

Während Sellerie aus der Kräuterküche nur einen kleinen Teil der Potenzgestörten wieder flottmacht, sind die Erfolge der blauen Pille Viagra schon beträchtlich.

Bob Dole, ein ehemaliger amerikanischer Präsidentschaftskandidat, bekannte sich freimütig gegenüber der amerikanischen Öffentlichkeit, dass erst Viagra nach Jahren der sexuellen Abstinenz wieder Schwung in sein Eheleben gebracht habe.

Soviel medienwirksame Freimütigkeit wird man von einem deutschen Politiker in den sogenannten besten Mannesjahren nicht verlangen können! Ein bisschen mehr 'Publicity' täte dem Thema aber ganz gut, denn jeder vierte Bundesbürger über 50 Jahre leidet an der erektilen Dysfunktion, wie Potenzstörungen in der Fachsprache heißen.

Vor einer Behandlung mit Viagra sollte der Arzt mit detektivischem Spürsinn organische Ursachen wie Diabetes mellitus, Durchblutungsstörungen (zum Beispiel bei Rauchern!), echte hormonelle Defizite, aber auch medikamentöse Nebenwirkungen von Antidepressiva, Antihypertensiva und Beruhigungsmitteln ausschließen oder behandeln.

Dennoch, auch bei diesen Patienten hilft häufig Viagra. Es sollten jedoch die Gegenanzeigen beachtet werden: keine Einnahme bei hochgradiger Herzkranzgefäßverengung, insbesondere nicht bei gleichzeitiger Einnahme von Nitraten, die die Gefäße ebenso wie die blaue Pille erweitern. Beide Substanzen verstärken sich in ihrer Wirksamkeit und die Gefahr des Herzinfarktes steigt.

Schon mancher Herzpatient hat die Wiedererlangung der Manneskraft mit dem Liebestod bezahlen müssen.

Für diese Herzkranken gibt es neuerdings ein zentral wirksames Mittel (Apomorphin), das auf das Sexualzentrum im Mittel- und Zwischenhirn wirkt und dadurch zur Erektion führt.

Leider wirkt es auch mitunter auf das benachbarte Brechzentrum und kann in seltenen Fällen zu Blutdruckabfällen führen. Hochwirksame, teilweise mit Nebenwirkungen verbundene Potenzmittel sollten daher nur nach ärztlicher Untersuchung und mit ärztlicher Zustimmung genommen werden.

Andernfalls folgt sehr schnell auf den Genuss der Verdruss und in einigen Fällen ist auch ganz schnell Schluss...

Ihr Medicus