Praxis Dr. med. Petro-Alexander Rarei, Arzt für Innere Medizin

30.07.2004

Alles Schicksal oder was ?

Übergewicht: Wie und womit Abnehmen gelingt


Wie kriege ich den Speck weg? Jeder 5. Bundesbürger ist adipös und müßte dauerhaft Pfunde verlieren. In der täglichen Praxis gilt das ganz besonders für die Typ II Diabetiker, auch als Altersdiabetiker bezeichnet, und die Hypertoniker.

Für den Hausarzt ist es immer wieder frustrierend, wenn die Aufforderung zum Abnehmen mit Sprüchen erwidert wird wie: „Wenn Sie wüssten, Herr Doktor, was ich esse, danach müßte ich schlank sein wie eine Tanne!“, oder, noch schlimmer, „Ich bin von Geburt an so ‘stabil‘, auch Mutter und Vater hatten schon ‘schwere Knochen‘“. Also alles Schicksal oder was?

Harninkontinenz kann Folge des Übergewichts sein

Ausflüchte um Ausflüchte, die den Arzt oftmals in die Resignation, wenn nicht gar Verzweiflung treiben. Dabei ist Motivation angesagt.

Ich bemühe mich dann immer der Person, die Vorzüge des Abnehmens schmackhaft zu machen. „Wollen Sie denn zeitlebens ihre Zucker- und Blutdrucktablette schlucken, Frau Müller ?“ - und weise auf die Nebenwirkungen der Arzneien wie Müdigkeit und Unterzuckerung hin.

Beim sogenannten starken Geschlecht bewirkt ein Hinweis auf mögliche Schwächung der Manneskraft oft Wunder. Auch die Aussicht auf eine bessere Lebensqualität nach Gewichtsreduktion mit weniger Schwitzen und Schnaufen bei leichter Belastung tut ihr Übriges.

Hinzu kommt die Linderung überlastungsbedingter Knie- und Rückenbeschwerden, mit denen spätestens ab einem BMI (Körpergewicht geteilt durch Körpergröße im Quadrat) von 35 gerechnet werden muss. Auch Harninkontinenz (Blasenschwäche) bei Frauen kann Folge des Übergewichtes sein, weil das Bauchfett auf die Blase drückt.

Ein weiterer Motivationsschub zum Abnehmen für das weibliche Geschlecht ist das Wiedererreichen der normalen Konfektionsgröße.

Teure Änderungen oder Maßanfertigungen in den Bekleidungsgeschäften werden dadurch überflüssig. Männer, die früher sportlich aktiv waren und noch ein wenig leistungsorientiert sind, kann man oft wieder für Sport interessieren, um damit den viel beklagten „Rettungsring“, also die Speckfalte um die Taille, abzutrainieren.

Außer einer fettarmen und kohlehydratmodifizierten Diät ist nämlich das regelmäßige körperliche Training für die Gewichtsabnahme entscheidend.

Sport ist wichtig, die Sportart ist nebensächlich

Die Sportart ist dabei nebensächlich. Viel wichtiger ist es, mindestens zweimal, besser noch dreimal pro Woche eine Stunde dem Körper etwas abzuverlangen, also ins Schwitzen zu geraten.

Ob das nun mit Jogging, Radeln, intensiver Gymnastik oder Schwimmen geschieht, mag den Vorlieben und körperlichen Möglichkeiten des Einzelnen überlassen bleiben. Wenn Sie betroffen sind, fangen Sie am besten gleich morgen damit an.

Ihr Medicus