Praxis Dr. med. Petro-Alexander Rarei, Arzt für Innere Medizin

08.08.2001

Alles Migräne oder was?

Der Kopfschmerz ist ein weites Feld


Herr Doktor, Herr Doktor, ich habe seit gestern so schrecklich dumpfe Kopfschmerzen unter der Schädeldecke, die vom Nacken ausstrahlen und immer nach dem Großreinemachen der Wohnung auftreten. Ich glaube, ich habe Migräne. Mitnichten!

Bei dieser am häufigsten geklagten Art des Kopfschmerzes handelt es sich um den sogenannten Spannungskopfschmerz, der – wie der Name schon sagt – durch überlastungsbedingte Verspannungen der Hals- und Nackenmuskulatur ausgelöst wird und durch Schonung, Wärme und Schmerzmittel zu beheben ist. Klagt Frau/Mann jedoch über einen einseitigen, pulsierenden, bei körperlicher Anstrengung zunehmenden Kopfschmerz, so handelt es sich um die klassische Migräne, insbesondere bei gleichzeitiger Lichtscheu und Lärmempfindlichkeit.

Zeigen sich vor der Migräneattacke besondere Vorboten (Aura) mit Sehstörungen in Form von gezackten, flimmernden Lichtphänomenen (“Fortifikationen“) und teilweisen Seh-ausfällen (Skotom), so spricht man von einer Migräne mit Aura. Sogar flüchtige Lähmungen und Sprachstörungen können hinzutreten.

Die Ursachen der Migräne sind vielfach noch unklar. Es spielen mehrere Faktoren zusammen. Die Reizung verschiedener Neurone im Hirnstamm führt zur Gefäßweitstellung mit entzündlicher Umgebungsreaktion. Entscheidender Botenstoff ist hierbei das Serotonin, das seine Wirkung über gewisse Rezeptoren entfaltet. Durch die Entwicklung der Stoffgruppe der „Triptane“ ist es in den letzten Jahren gelungen, die Migräne wirksam zu bekämpfen. Auf Grund ihrer ähnlichen Struktur besetzen sie Untertypen des Serotonin-Rezeptors und führen zur Verengung der im Anfall erweiterten Gefäße.

Prototyp der „Triptane“ ist das Sumatriptan (Imigran). Wirken die „Triptane“, so steht die Diagnose Migräne. Wenn nicht, so ist es keine.

Immerhin gibt es mittlerweile 165 (!) verschiedene Arten von Kopfschmerz. Viele Patienten behelfen sich mit ASS (Aspirin) oder anderen frei erhältlichen Schmerzmitteln. Sofern kleine Dosen wirksam sind und nicht zu oft genommen werden, ist das erlaubt. Auf die Entwicklung von Magenschleimhautschäden bis hin zu Magenbluten ist zu achten.

Eng verwandt mit der Migräne ist der bohrende Clusterkopfschmerz, der streng „gebündelt“ (engl. Cluster = Bündel) hinter einem Auge auftritt, in die Schläfe ausstrahlt und mit Tränenfluss, Nasenlaufen und Augenrötung einhergeht.

Zu erwähnen bleibt der gar nicht so seltene medikamenten-induzierte Dauerkopfschmerz, dessen Häufigkeit in Kopfschmerzambulanzen bis zu zehn Prozent angegeben wird. Ursache sind nicht nur die beliebten, frei verkäuflichen Pillen, wie zum Beispiel Spalt, Doppel-Spalt, Togal, Vivimed etc., die manche(r) in großen Mengen schluckt, sondern auch ganz spezifische Migränemittel, insbesondere ergotaminhaltige Präparate.

Die Therapie ist hier denkbar einfach, die praktische Umsetzung oft schwierig: Entzug des auslösenden Schmerz- oder Migränemittels und anschließende Therapie des primären Kopfschmerzes. In diesem Falle sollten nicht medikamtentöse Therapien im Vordergrund stehen, wie zum Beispiel Akupunktur.

Der Kopfschmerz ist ein weites Feld. Sollte er gehäuft auftreten oder gar nicht ganz weggehen, so suchen Sie Rat und Hilfe heim Fachmann vor Ort, Ihrem Hausarzt.

Ihr Medicus